Lehrstuhl FÜR Wahnsinn - Seminare

Aktuelle Veranstaltungen zur PatVerfü

In umgekehrt chronologischer Abfolge

2002 Der Lehrstuhl FÜR Wahnsinn internationalisiert sich:
siehe seine Beteiligung an der Konferenz der "Radical Philosophy Association" in der Brown University, Providence, Rhode Island USA hier klicken:
Mini-Conference IV: Self And Society
Panel # IV, 1 The Answer to the Mind-Body Question
Chair: Peg O'Connor
Thursday Nov 7: 4-5:30 pm

Wintersemester 2000/2001

"Verrückte Diskurse III"

Elke Heitmüller:
Philosophie der Sucht
Das Zeitalter des Narzißmus (Lasch) scheint bruchlos in ein Zeitalter der Sucht übergegangen sein. Sogenannte prozeßgebundene Süchte bewegen neben den klassischen Abhängigkeiten (Alkoholismus, Heroinsucht etc.) zunehmend ökonomische und gesundheitspolitische Debatten. Doch was steckt hinter dem gesellschaftlichen Phänomen Sucht: Siechtum oder Suche? Krankheit oder Sehnsucht? Während Siechtum und Krankheit auf die Medizin verweisen, führen uns Suche und Sehnsucht direkt zu philosophischen Fragestellungen. Das Seminar wird anhand von klassischen Texten der Frage nachgehen, wie sich unsere aktuelle Alltagsphilosophie der Sucht generiert hat. Wie kam es dazu, daß die Sucht gleich Abhängigkeit zu einem originär medizinischen Problem gerann und daß Intensitäten all zu schnell als pathologische stigmatisiert werden?

FRITZ J. RUDERT:
Entweder:
MAUTHENER II (MAUTHENER I ist nicht voraussetzung, aber erwünscht)
oder:
Diagnosen -wie schizophrenie, hebephrenie- als schulmedizinische kampfwörter zur unterdrückung dissidenter individuen II
(I s.o.!)
Beide themen in kurzform abdrucken, damit jeder in der ersten veranstaltung mitentschieden kann. Bei eindeutiger mehrheit für eines von beiden wird das andere thema vertagt. Bei relativem gleichstand beide je zwei-wöchentlich angeboten oder ich mach 4 stunden pro woche (also beides).

 

René Talbot:
Grundlagen der Dialektik als Komplementäres

Ausgehend von Freuds Feststellung, das Unbewußte kenne kein "nicht", wollen wir die Logik der Frage (die schon Antworten impliziert) in einem Diskurs von "Mind can not be Brain" nachvollziehen, um gegen den aktuellen philosophischen Mainstream anzuschwimmen, sei er von Peter Sloterdijk oder Daniel C.Dennett.

Sommersemester 2000

Im SoSe 2000 findet der Lehrstuhl FÜR Wahnsinn als reisende Hochschule zur Bekanntmachung der Vorsorgevollmacht statt.

Wintersemester ´99/2000

"Verrückte Diskurse II"
Fr. 14.00-18.00
Uhr im Ost-Europa Institut, Garystrasse 55, Raum 105.
Beginn 22.10. An diesem Tag wird die Zeiteinteilung der drei Seminare festgelegt und hier veröffentlicht.

Elke Heitmüller:
Die Philosophie des Wahnsinns
Erst die abendländische Idee eines autonomen Subjektes hat eine Psychologie als Wissenschaft ermöglicht und eine Psychiatrie im heutigen Sinn begründet. Diese Entwicklung, die Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzte, steht unter doppeltem Einfluß: während der Humanismus sich aufmachte das Menschliche zu suchen, setzt sich epistemeologisch ein positivistisches, empiristisches Wissenschaftsverständnis durch. Wahnsinn gilt nurmehr als Abweichung von der als Norm definierten Vernunft und wird begriffen als Gefährdung der Gemeinschaft. Während die humanistischen Ideale die aufkeimende Wissensproduktion über den Wahnsinn und in Folge über die Psyche des Menschen legitimieren, übernehmen Medizin und Psychologie die bis dato philosophische Frage, was gelungenes menschsein eigentlich ausmache. Medizintechniken und Psychotechniken komplementieren zukünftig im Namen der Wissenschaft unvernünftige Subjekte und vertreiben den Wahn-Sinn. Michel Foucault hat in seiner „Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft" die historischen Brüche und Verschiebungen bezüglich der Wissens- und Wahrheitsproduktion rund um den Wahnsinn nachvollzogen. Mit Blick auf die neusten Entwicklungen der Biotechnologie und ihrer Utopie eines GENormten Menschen läd das Seminar ein, mittels diskursanalytischen Verfahren einen Blick zurück - auf die Geschichte des Wahnsinns -zu werfen. Ziel des Seminars ist, die Entzifferung einer Philosophie des Wahnsinns - die bis heute eher eine Anti-Philosophie darstellt - die dann in einer Gegenwartsanalyse münden wird. Textgrundlage sind Passagen aus: Michel Foucault: Wahnsinn und Gesellschaft. Frankfurt a. M. 1969. n Die Ordnung der Dinge. Frankfurt a. M. 1971 n Überwachen und Strafen. Frankfurt a. M. 1977


Initiator nicht-doktor trotz doktor-arbeit: FRITZ J. RUDERT:

Psychiatrie und ...

Die rolle der psychiatrisierten in der theorie, literatur (bis zum film) und im wirklichen krankenhaus von 1750 bis 1999. Beiträge der wissenschaftsgeschichte, medizingeschichte, mediengeschichte, patienten-geschichte und ombudsman-bewegung in dokumenten (soweit erreichbar) zur kulturgeschichte der humanität. (P.WEISZ: de SADE läßt von anderen patienten die ermordung MARATs in einer anstalt bei Paris spielen; HÖLDERLIN, LENAU, GUTZKOW, NIETZSCHE, van GOGH (und seine schwester), HUGO WOLFF, MAUPASSANT, ABI WARBURG, GÖDEL ... und z.b. JOCHEN PEUSZ. Referate betreten z.t. neuland. Bisher ist adäquat wohl nur HÖLDERLIN -von PIERRE BERTEAUX-aufgearbeitet worden.)

René Talbot:
Radikale Ausgrenzung
Die Gentechnologen versuchen handstreichartig, dem Geist seine Freiheit zu nehmen und Denken und Fühlen mit biologisch/genetischen Dispositonen gleichzusetzen. Die biologische Psychiatrie will deshalb gerade in Berlin, wo sie den systematischen Massenmord in Gaskammern organisiert hat, im Jahr 2001 ihr Comeback feiern. Im Seminar sollen die nötigen theoretischen und praktischen Vorbereitungen zur Gegenwehr erarbeitet werden. Teil des Seminars soll eine Exkursion in die Zwangs-Psychiatrie in Bernburg sein. Dort befindet sich die Gaskammer und der Schornstein des Ofens noch im Orginalzustand.
Literatur:
Henry Friedlander - "Der Weg zum NS Genozid"
Thomas Szasz - "Theologie der Medizin"

Sommersemester `99

"Verrückte Diskurse I"
Do 14.00-18.00 Uhr im Raum JK27/103 Beginn 22.4.

Elke Heitmüller:
Ver-rückte Gesellschaft: die Logik der "Knots"

"Ich mach Dich verrückt", sagt die Vernunft. Macht nichts, sagt der Wahnsinn, "ich frage mich nur, warum?" "Das ist es ja gerade, was ich von Dir wissen will", antwortet die Vernunft - "Macht, macht, macht endlich..." In diesem Seminar wird es um die Produktion des Wahnsinns gehen. Wir beginnen mit der "Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft" (Michel Foucault). Dabei betrachten wir insbesondere die Rolle des naturwissenschaftlichen Erklärungsmodelle einer "sezierbaren Vernunft". Ziel des Seminars ist es, die Vernunft selbst mit kommunikationswissenschaftlichen Erkenntnissen zu dekonstruieren. Mit Hilfe von "Knots" (Ronald D. Laing) und eigenen Erfahrungen werden wir versuchen, eine Knotenlogik zu erfinden.
Fotos

Texte
Abschlussveranstaltung
Kommentare


Fritz Joachim Rudert:
Der europäische/ irdisch-globale guru FRITZ MAUTHNER oder vom dichtenden, schriftstellernden, parodierenden denker zum autodidaktischen philosophen & sprachkritiker

Um diesen titel vom anspruch her zitatmäßig untermauern zu können, hier einige (an)sätze: F.M. "Wahn bedeutert wuchernde phantasie" und ALBERT EINSTEIN "Phantasie ist besser als (nur) wissen". Da F.M. heute kaum noch in lexika erwähnt wird, hier einige daten: geb. 1849, gest.1923 in Meersburg, Bodensee. Innerhalb der philosophischen grössen, die zwischen 1920 und 1933 wirkten, ist er in die reihe der veröffentlichungen: Philosophen über sich, hineingenommen worden.
Textgrundlage des Seminars über Fritz Mauthner


René Talbot:
Implikationen der Annahme von Nichtlokalität

1755 stellte der mathematische Physiker R. J. Boscovich ein allgemein physikalisches Äquivalenzprinzip auf. An seinen Text anknüpfend soll der Frage nachgegangen werden, welche Folgen die Annahme einer "starken" Nichtlokalität mit sich bringen, insbesondere welche philosophischen Fragen und Antworten sich daraus ergeben.
Verwendete Literatur:
R.J. Boscovich, Otto Rössler, David Bohm, Eva Ruhnau, Chris Bezzel
Ausführliche Vorstellung des Seminars

 

Wintersemester ´98/99:

Die philosophische Bedeutung der Gödelschen Theoreme
Di 10-12, Habelschwerdter Allee 30, Sitzungsraum Beginn: 20.10.
Der Gödelsche Unvollständigkeitssatz und eine unmittelbare Folgerung über Widerspruchsfreiheitsbeweise sind geniale metamathematische Resultate. Von Anfang an hat man immer wieder versucht, Konsequenzen aus den beiden Sätzen zu ziehen, die weit über die Mathematik hinausgehen und in Gebiete wie eine Theorie des Selbstbewußtseins, die allgemeine Erkenntnistheorie, die Grenzen der Künstlichen Intelligenz und ähnliche hineinreichen. Dabei wird erstaunlich viel "Schindluder" mit den Gödelschen Theoremen getrieben. Das Seminar soll dazu dienen, diesem oftmals fahrlässigen und fragwürdigen Umgang mit den Gödelschen Theoremen entgegenzutreten.
(Der Dozent Prof. Tetens, darf sicher NICHT zum Lehrstuhl für Wahnsinn gerechnet werden, aber da Gödel total verrückt war und die Verrückten sich als Zuhörer beteiligten - bis sie merkwürdigerweise gerade in diesem Seminar ausgeschlossen wurden- sollte dieses Seminar zu einer Veranstaltung des Lehrstuhls gerechnet werden. Darüberhinaus sollte es zum Privileg eines geschäftsführenden Direktors des Instituts für Philosophie gehören, so einen neuartigen Lehrstuhl einweihen zu dürfen.)

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