Lehrstuhl FÜR Wahnsinn

Ursachen haben eine Wirkung,
Gründe eine Logik,
deshalb ist das Informationsladungs-"feld" das Kohärenzmodul der Welt.

(Vorstellung des Seminars: „Implikationen der Annahme von Nichtlokalität" am 22.4.´99 an der Freien Universität Berlin, Lehrstuhl für Wahnsinn)

 

Jeder für Schizophren Erklärte soll ja ein System haben: Schreber ist damit berühmt geworden. Ich lade ein, bei der Konstruktion einer Systematik der Welt mitzumachen. Eine riesige Baustelle wird es werden, und selbst die Pläne sind nur wage entworfen. Den Ereignis Charakter des Seminars möchte ich unterstreichen und des notwendige Interesse von Ihnen, sich aktiv zu beteiligen.

In einen ersten Treffen soll die Literaturliste auf Ihre Beiträge verteilt werden, es sollen denn in zwei Blockteilen diese Beiträge vorgetragen und die losen Enden zusammengeknüpft werden zu einem Verständnis der Welt unter der Annahme der Existenz von Nichtlokalität.

Ein paar Worte dazu: spätestens seit Einsteins Formulierung der Relativitätstheorie werden Ereignisse an Lokalität gebunden - eine Information, ein Ahnen überall zugleich wird ausgeschlossen. Um keinen falschen Verdacht aufkommen zu lassen. Esoterik, nein danke, denn ich meine, sie will unter dem Vorwand einer neuen Kausalität neue Abhängigkeiten schaffen.

Es geht um das uralte Projekt aus dem, was man Wissen kann, dem Lokalen, auf das Andere, Nichtwißbare zu schließen. Deshalb muß das Projekt im Glauben stecken bleiben, aber einem Glauben für den wir Gründe angeben können.
Dabei werden wir einen Schwerpunkt auf die offenen Stellen der Naturwissenschaft legen: Quantenphysik und Theorie der Schwerkraft. Beide sind offenbar unvollständig oder unvereinbar.

· Wir werden die Nichtkonstanz der Hubble Konstante, die ich schon vor 5 Jahren vorausgesagt habe, untersuchen.
· Wir werden uns intensiv mit David Bohms Interpretation der Quantenphysik beschäftigen, die der derzeitigen Interpretation fundamental widerspricht, aber Entscheidungen und Unterscheidungen erleichtert. Sein Vorschlag der Nichtlokalität der Information von Quantenzuständen ist erleuchtend.
· Endophysik, die Physik des inneren Beobachters von Otto Rössler als Vorschlag einer physikalischen Revolution nach Relativitätstheorie, Quantentheorie und Chaostheorie, soll uns beschäftigen.
· Auf Rössler bezieht sich auch Eva Ruhnan, eine Kernphysikerin, die die prekäre Situation des Beobachters in der Quantenphysik aufgreift.
· Wir werden Chris Bezzels Vortrag: „Der Körper als Bild der Seele, zu Wittgensteins Antipsychologie" als philosophischen Hinweis eines Semiotikers erörtern.
· Wir werden versuchen, das alles und ihre Eingebungen durch den Vorschlag einer skalaren Zeit zu vermitteln, einer richtungslosen Zeitvorstellung.

Wir werden in dieser Zeitvorstellung und in unserem Erleben das Begründen wiederfinden, das Präsentsein von Vergangenem in unserem Erinnern, für das es so gut wie keine Mainstream Theorie gilt.

Ja, es soll um einen Nichtlokalen Geist gehen, ohne Buddhismus oder Kirche, Moshe oder Synagoge zu bemühen, vielleicht etwas, was uns in den ältesten und längsten Anschauungen der Menschen begegnet, dem Animitismus, der nur noch in wenigen Regionen Afrikas und vielleicht im Wahnsinn gelebt wird.

Mein Vorschlag lautet:
Vergessen wir das Gehirn als Ort des mentalen Erlebens, des Denkens und Erinnerns und Fühlens. Statt dessen ist das Gehirn der Empfangsapparat eines nichtlokalen Geistes, der in der Welt ist. Genausowenig wie die Tagesschau hinter der Glaswand des Fernsehens gesprochen wird und es unsinnig ist, den Fernsehtechniker zu holen, wenn uns die Nachrichten der Tagesschau nicht gefallen, so können wir uns das vergebliche Bemühen vorstellen, mit einem körperlichen Eingriff den Geist zu beherrschen. Nur wenn er dazu bereit ist, bzw. durch Gewalt dazu bereit gemacht werden kann, können diese Versuche Erfolg haben.
Damit wird auch verständlich, warum beim Empfang der Tagesschau im Fernseher etwas gemessen, gestellt und verstellt werden kann und wir dann die Tagesschau vielleicht besser empfangen können oder z. B. Alkohol unser Bild der Welt verändert.

Womit wir noch mal an den Anfang kommen - die Unterscheidung von Gründen und Ursachen. Menschliches Verhalten hat immer Gründe, keine Ursachen, Ursachen sind die objektivierbaren kausalen Zusammenhänge, mit denen wir sichere Voraussagen machen können, Naturgesetze beschreiben.
Diese klare, unüberbrückbare und fundamentalste Unterscheidung von Gilbert Ryle wird ein wesentliches Element unserer Untersuchung und Konstruktion sein.
Vielleicht können wir ermitteln, warum Naturgesetze so heißen und nicht Naturgewohnheiten, was mit den Fakten der Kernphysik und der Quantenphysik viel besser zu vereinbaren wäre.

Sollten wir seit 300 Jahren nur einer Naturwissenschaft auf den Leim gegangen sein, die „Natur" in zwingendem Gesetz erklärt, um die menschliche Freiheit des Geistes in einen gesetzlichen Rahmen zu beugen? Soziale Kontrolle am Grund der Naturwissenschaft?

Ich möchte den diskursiven, gesprächigen Charakter dieses Seminars betonen, das Assoziative, Spekulative und Spielerische.

René Talbot


Literaturliste

R.J. Boscovich, „Über Raum und Zeit, wie sie von uns erkannt werden" ,1755 in Otto E. Rössler, „Endophysik. Die Welt des inneren Beobachters " ´92, Merve

David Bohm, „A suggested Interpretation of the Quantum Theory in Terms of „Hidden" Variables, I und II" Princton University Press, ´83

Bohm´s Theorie. In Quntum Mechanics and Experience, ´92 Harward University Press

David Bohms Quantentheorie in Spektrum der Wissenschaft, Juli 94

Eva Ruhnau, „Zeit-Gestalt und Beobachter, Betrachtungen zum Tertium datur des Bewußtseins." In Bewußtsein, herausgegeben vom Thomas Metzinger ´96

Chris Bezzel, „Der Körper als Bild der Seele. Zu Wittgensteins Antipsychologie" Vortrag vom 2.5.´96 an der Freien Universität.

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